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Agrarsubventionen umstellen – Beschäftigungsintensive Betriebe stärker fördern

Dr Michael Schäfers KAB
Die EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel will die Agrarpolitik der EU umstellen. Dazu will Sie die Subventionen für Betriebe kürzen, die eine hohe Unterstützung erhalten. Betroffen wären in Deutschland vor allem die agrarischen Großbetriebe in den neuen Bundesländern.
KAB-Online befragte dazu Dr. Michael Schäfers, Leiter des Grundsatzreferates der KAB Deutschlands.

KAB-Online: Die EU-Kommission will die Agrarsubventionen umstellen. Was sagt die KAB dazu?

Schäfers: Hier besteht seit Jahren Handlungsbedarf, aber bisher sind grundlegende Pläne gescheitert. Die Vorstellungen, die in Brüssel diskutiert werden, sehen keine Kürzungen bei Subventionen bis 100.000 Euro vor. Höhere Summen sollen prozentuale Kürzungen erfahren. Bei den kleineren landwirtschaftlichen Betrieben würde sich also keine Änderung ergeben. Großbetriebe dagegen müssten mit zum Teil erheblichen Verlusten rechnen. Über Einzelheiten kann man streiten, aber in der Regel sind die Kleinbetriebe beschäftigungsintensiver, sorgen also für Arbeitsplätze oder sichern diese.

KAB-Online: ... und das ist aus Sicht der KAB gut?

Schäfers: Ja. Auf dem Bundesverbandstag in Erfurt haben wir beschlossen, dass kleine und mittlere Betriebe von Brüssel gefördert werden sollen, die Arbeitsplätze schaffen und damit die Arbeitslosigkeit verringern. Das gilt auch für die landwirtschaftlichen Betriebe. Wir wollen, dass jedwede Unterstützung durch europäische Institutionen und Programme diesem Maßstab unterliegt.

KAB-Online: Aufbau-Ost-Minister Wolfgang Tiefensee hat kritisiert, dass durch die Umstellung Arbeitsplätze in der ostdeutschen Landwirtschaft verloren gehen....

Schäfers: ... auch das Königshaus in Großbritannien würde erhebliche Subventionen verlieren. Nach der Wende haben wir das Heil in den neuen Bundesländern in Großbetrieben gesucht – auch in der Landwirtschaft. Die kleinen Betriebe wurden ausgezerrt. Dafür kann man jetzt nicht die EU verantwortlich machen. Richtig ist, dass wir eine Umstellungsphase benötigen werden. Die Drohung mit dem Abbau von Arbeitsplätzen ist ein beliebtes Erpressungsspiel geworden. Bisher fehlen in der EU gesicherte Zahlen für den Zusammenhang von Betriebsgröße und Beschäftigung in der Landwirtschaft. Die müssen vorliegen, um die Auswirkungen genau beurteilen zu können.

KAB-Online: Fischer Boel will zudem die ländlichen Regionen stärker unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes fördern....

Schäfers: Ein richtiger Ansatz, wenn wir uns die Problemlage anschauen. Nachhaltige, gute Arbeit ist das Thema der KAB. Beschäftigungspolitik und Nachhaltigkeit müssen zusammengehen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das wäre optimal. Brüssel steht da in der Verantwortung, weltweit eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Nachweislich werden in der ökologisch-nachhaltigen Landwirtschaft diese Ziele besser erreicht als in den agrarischen Großbetrieben. Wenn wir so weiter wirtschaften wie bisher, werden in der Gesamtheit in wenigen Jahrzehnten große Anbauflächen Sondermüll sein. Das kann niemand ernsthaft wollen.

KAB-Online: Wie groß ist die Chance, dass die Pläne der Kommissarin Fischer Boel umgesetzt werden?

Schäfers: Zuerst einmal muss die EU-Kommission ein konkretes Gesetzeswerk vorlegen. Dann wird diskutiert werden. Bisher sind alle grundlegenden Pläne zum Umbau an Großbritannien und Deutschland gescheitert. Die Großbetriebe haben eine gute Lobby in Berlin und Brüssel. Ich hoffe dennoch, dass die Einsicht wächst, statt Landbesitz Nachhaltigkeit und Arbeit zu fördern. Die Position der KAB ist jedenfalls eindeutig: Subventionen für Betriebe, die nachhaltig und ökologisch wirtschaften und „gute Arbeit“ anbieten. Das käme uns allen zugute.

Auftaktveranstaltung in Straßburg

Am 22. April werden in Straßburg Georg Hupfauer, Bundesvorsitzender der KAB, mit Arnold Püschel von ver.di und Katrin Distler vom DGB zum Thema Europa und Interessenvertretung informieren und diskutieren. Zu der „Auftaktveranstaltung“ für die Aktionsdekade 2008 lädt der Diözesanverband Freiburg in das Europäische Parlament nach Strasbourg ein.

Vor dem Besuch im Europäischen Parlament wird im Bildungshaus Centre Culturel St. Thomas in Strasbourg über die Europaaktivitäten der KAB Deutschland und aktuellen Fragen der Europapolitik aus Arbeitnehmersicht informiert. Es ist gelungen in der Sitzungswoche des Parlaments Gespräche mit Europaabgeordneten zu vereinbaren und auch auf der Besuchertribühne die Debatte des Parlaments mitzuverfolgen.

Für den Abend sind Gespräche mit Europaabgeordneten geplant. Zugesagt haben: Thomas Mann, MdeP, CDU; Jo Leinen, SPD; Czem Özdemir, Grüne; Sepp Kusstatscher, MdeP Südtirol, Grüne. Die Vorsitzenden Birgit Zenker, Georg Hupfauer und Präses Albin Krämer werden ein Gespräch mit dem EU-Parlamentspräsidenten Hans- Gert Pöttering führen. (Weitere Infos)

13. Bundesverbandstag der KAB Deutschlands in Erfurt

Entwurf zum Leitantrag

"Leben und Arbeiten in Europa – Soziale Gerechtigkeit jetzt!"

Die KAB setzt sich für eine positive, für eine gute Integration Europas ein. Die Weiterentwicklung des Europäischen Sozialmodells hat zentrale Bedeutung, wenn Europa weiter wachsen soll. Denn nur ein sozial und gerecht gestaltetes Europa, nur ein Europa, das das „gute Leben für alle“ zum Ziel hat, stößt auf Akzeptanz und Zustimmung. Deshalb verstärkt die KAB ihr europapolitisches Engagement durch diesen Leitantrag. Die KAB will „europäischer“ werden. Deshalb tritt sie ein für ein Europäisches Sozialmodell ein, das

  • soziale Absicherung für alle Menschen in Europa bietet;
  • sozialen Ausgleich zwischen und in den Staaten Europas, zwischen Armen und Reichen schafft;
  • soziale Teilhabe und Teilnahme für alle ermöglicht und
  • die Schöpfung nachhaltig schützt.


In dem Leitantrag der KAB geht es um die Themenbereiche Arbeitslosigkeit, Arbeit, Familie, Konsum, Bildung und die Entwicklung des Sozialstaates in Europa.

Den Leitantrag als Word-Datei zum Download finden Sie hier.

Den Leitantrag als PDF-Datei zum Download finden Sie hier.

„Leben und Arbeiten in Europa – Soziale Gerechtigkeit jetzt!“
(Vorschlag der Vorbereitungsgruppe)

Bundesverbandstag wirft seine Schatten voraus

Hans Gerd Pöttering KAB Europaparlament
Im Rahmen des 13. Bundesverbandstag vom 19.-21. Oktober 2007 wird Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, am abschließenden Sonntag einen Festvortrag halten. Erwartet wird zur Eröffnung am Freitag auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus.
Das Programm
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Vom 19. - 21. Oktober 2007 fand der 13. Bundesverbandstag im Kaisersaal in Erfurt statt.
"Leben und Arbeiten in Europa", unter diesem Leitbild haben sich Delegierte aus ganz Deutschland mit der zukünftigen Ausgestaltung Europas befasst.